IG BCE aktuell 6/2018

Energie geht uns alle an

Die IG BCE will sich mit einer klaren Stimme für eine ausbalancierte Energiepolitik in die von der Bundesregierung geplante „Kommission Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ einbringen.

Bernd Wittelsbach/istockphoto

Energie

In der „Kommission Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung“ will die Bundesregierung Maßnahmen vereinbaren, um das für 2030 gesetzte Ziel der CO2-Reduktion zu erreichen. Gleichzeitig soll die Lücke zum für 2020 gesetzten Wert, 40 Prozent Minus gegenüber 1990, so weit wie möglich geschlossen werden. Die Kommission soll dazu einen Plan entwickeln, der die schrittweise Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung, einschließlich eines Abschlussdatums, entwickelt. Außerdem sollen Investitionen in den vom Strukturwandel betroffenen Regionen und Branchen verabredet werden.

Das Vorhaben verfolgen viele Mitarbeiter in der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie mit großer Sorge. „Wir werden, wenn nötig, Kante zeigen“, sagte deshalb Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, bei einer Betriebsrätekonferenz in Bochum. Ein vorschnelles Abschalten konventioneller Energieträger würde den Strom schlagartig um Dimensionen verteuern, warnte Vassiliadis vor gut 200 Betriebsräten. „Das trifft am Ende auch die Jobs in den energieintensiven Industrien“, so Vassiliadis.

Der Pfad für ein Auslaufen der Kohleverstromung ist heute bereits vorgezeichnet - durch in den kommenden Jahrzehnten auslaufende Genehmigungen und dadurch, dass in neue Kraftwerke nicht mehr investiert wird. Jedes Abweichen davon würde jedoch empfindliche Strukturbrüche nach sich ziehen, vor allem in den deutschen Braunkohlestandorten. „Das Abschalten eines Kraftwerks würde sich hier auf das komplette System niederschlagen“, warnte Vassiliadis. Denn die Braunkohle ist vor allem deshalb Deutschlands günstigster Energieträger, weil sie direkt am Ort des Abbaus verstromt wird. Das schrittweise Herunterfahren funktioniere deshalb nicht.

Gleichzeitig warnte Vassiliadis vor den Folgen für die Arbeitsplätze in den energieintensiven Industrien - also den Kernbranchen der IG BCE. Da Deutschland bis 2022 auch aus der Kernkraft aussteigen werde und Energie aus erneuerbaren Technologien nicht konstant zur Verfügung stehen werde, müsse günstige Kohle durch teures Gas ersetzt werden. Das wiederum verteuere den Strom für die Großverbraucher in den energieintensiven Branchen. „Das Energiethema ist kein reines Kohlethema“, mahnte IG-BCE-Hauptvorstandsmitglied Frank Gottselig, selbst Betriebsrat in einem energieintensiven Papierwerk, „es geht uns alle an“.

Für Vassiliadis ist deshalb entscheidend, dass die Kommission in erster Linie belastbare und nachhaltige Zukunftskonzepte für die vom Strukturwandel betroffenen Regionen entwickle. „Die Menschen in den Revieren brauchen keinen überhasteten, unkontrollierten Ausstieg aus der Kohle“, so Vassiliadis. „Was sie brauchen, ist ein Einstieg in einen Strukturwandel, der gute Industriearbeit sichert.“ Gleichzeitig könne die Last der CO2-Einsparungen nicht allein auf den Schultern der Beschäftigten in der Energiebranche abgelegt werden. „Wir werden darauf dringen, dass andere Sektoren ihre Beiträge synchron bringen“, sagte Vassiliadis. Vergleichbare Kommissionen plant die Bundesregierung für den Bau- und den Verkehrssektor. Letzterer hat seit 1990 seinen CO2-Ausstoß bislang lediglich konstant gehalten, während die Energiewirtschaft ihn seitdem bereits um 32 Prozent zurückgefahren hat.

Nach oben